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29.1.2025

Biodiversität in der Baustoffindustrie: GiBBS-Handbuch veröffentlicht

Als Praxispartner beteiligte sich der bbs am Projekt „Ganzheitliches Biodiversitätsmanagement in der Baustoffindustrie (GiBBS)”, um gemeinsam mit dem Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW), dem Institut für Landschaftsökologie der Universität Münster, dem Leibniz-Institut zur Analyse des Biodiversitätswandels (LIB), dem NABU e.V. sowie dem MIRO - Bundesverband Mineralische Rohstoffe e.V. und dem Bundesverband der Gipsindustrie e. V. ein Konzept für den Artenschutz in kleinen, mittleren und großen Rohstoffunternehmen zu entwickeln.

Weitere Unternehmen sowie Naturschutzbehörden und Umweltverbände brachten sich in Dialogveranstaltungen. Die Ergebnisse des Projektes, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wurde, flossen in ein Handbuch ein, das nun veröffentlicht wurde.Das Handbuch verbindet die naturschutzfachliche und betriebswirtschaftliche Perspektive, um Biodiversität effektiv auf allen Unternehmensebenen zu verankern. Dazu vermittelt es, wie Unternehmen Biodiversitätsziele entwickeln und den Prozess wirksam steuern können. Es stellt zudem wichtige Artenschutzmaßnahmen vor, die teilweise schon mit geringem Aufwand umsetzbar sind. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem systematischen Monitoring der Arten: Das Handbuch zeigt in sieben Schritten, wie Unternehmen einen guten Überblick über relevante Arten an ihren Standorten erhalten.

Der Bundesverband Baustoffe – Steine und Erden e.V. (bbs) hat zum fünften Mal seit 2012 seine Studie zur Nachfrage nach Primär- und Sekundärrohstoffen der Steine-Erden-Industrie in Deutschland vorgelegt. Unter dem Titel „Rohstoffnachfrage 2045 – Ressourcen sichern, Zukunft bauen“ zeigt die Analyse, dass auch in den kommenden zwei Jahrzehnten erhebliche Mengen mineralischer Rohstoffe wie Kies, Sand, Naturstein, Ton und Industrieminerale benötigt werden – und welchen Beitrag Sekundärrohstoffe leisten können. Ergänzend dazu hat der Verband ein Rechtsgutachten veröffentlicht, um konkrete Maßnahmen zum Abbau bürokratischer Hürden bei der Rohstoffgewinnung aufzuzeigen.

„Der Bedarf an Wohnraum, Infrastruktur, Windrädern, PV-Anlagen und Energieleitungen bleibt hoch – Deutschland ist auf mineralische Rohstoffe angewiesen“, betont Dr. Matthias Frederichs, Hauptgeschäfts-führer des bbs. Die vom RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung durchgeführte Studie schätzt den Rohstoffbedarf bis 2045 anhand von zwei wirtschaftlichen Entwicklungspfaden ab: In der sogenannten oberen Variante (0,9 % jährliches Wirtschaftswachstum) liegt der Rohstoffbedarf im Jahr 2045 bei 525 Mio. t – ein Rückgang um 5,4 % gegenüber 2022. In der unteren Variante (0,1 % Wachstum) fällt der Bedarf auf 452 Mio. t, was einem Rückgang von 18,5 % entspricht. Der Verband hebt hervor, dass angesichts der zuletzt schwachen Konjunktur eher vorsichtige Annahmen gewählt wurden – geht jedoch insgesamt von einem höheren Wachstum aus: „Die Basis der Infrastrukturmodernisierung bilden mineralische Rohstoffe. Das beschlossene Sondervermögen könnte somit die Nachfrage deutlich ankurbeln“, so Frederichs.

Weniger optimistisch fällt die Prognose bei Sekundärrohstoffen aus – etwa bei Recycling-Baustoffen und industriellen Nebenprodukten. Ihr Aufkommen liegt in der oberen Variante bei 94 Mio. t, in der unteren bei 88 Mio. t (–11,5 %). Die Sekundärstoffquote würde demnach 15,2 % (+/-0,0 %-Punkte) bzw. 16,3 % (+1,1 %-Punkte) betragen. Trotz großer Anstrengungen für mehr Kreislaufwirtschaft im Bausektor bleiben die Potenziale zur Steigerung der Sekundärstoffquote begrenzt. So entfallen durch den Kohleausstieg Nebenprodukte wie REA-Gips und Steinkohleflugaschen, und auch das Aufkommen an Roheisenschlacken geht infolge der Dekarbonisierung der Stahlindustrie zurück. Zudem spielt das Bauen im Bestand im Vergleich zu Abriss und Neubau eine immer größere Rolle, wodurch einer Zunahme des Aufkommens an Recycling-Baustoffen Grenzen gesetzt sind.

Rechtsgutachten zeigt Wege für Bürokratieabbau in der Rohstoffgewinnung auf
Angesichts dieser Ergebnisse will sich die Branche in der neuen Legislaturperiode verstärkt dafür einsetzen, den Zugang zu heimischen Rohstoffen zu erleichtern. „Unternehmen sehen sich zunehmend durch Bürokratie und strenge Auflagen ausgebremst – Genehmigungsverfahren sind heute ein echtes Existenzrisiko“, warnt Frederichs. In den vergangenen 20 Jahren ist die Zahl der Rohstoffbetriebe in Deutschland um mehr als ein Viertel gesunken.

Um konkrete Lösungsansätze aufzuzeigen, hat der bbs ein juristisches Gutachten bei Prof. Dr. Walter Frenz (RWTH Aachen) in Auftrag gegeben. Dies unterstreicht die zentrale Rolle der Rohstoffgewinnung für wirtschaftliche Entwicklung und Klimaschutz und formuliert einen 10-Punkte-Plan zur Vereinfachung und Beschleunigung von Genehmigungsverfahren. Dazu zählen unter anderem die Einstufung des Rohstoffabbaus als „überragendes öffentliches Interesse“ oder die Einführung einer Rohstoffsicherungsklausel zur Vermeidung von Versorgungsengpässen. Daneben sollten klare Fristen für die Bearbeitung von Genehmigungsanträgen sowie Stellungnahmen der Öffentlichkeit definiert werden. „Seit Jahrzehnten wird die Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren angekündigt, ohne das viel passiert ist. Wenn es die neue Bundesregierung mit ihren Ankündigungen zum Bürokratieabbau ernst meint, ist jetzt der Zeitpunkt für rasches Handeln gekommen.“, so Frederichs.

Berlin - März 2024 – Die Baustoffproduktion in Deutschland befindet sich weiterhin in der Krise: Nach aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes verzeichnete die Branche im Jahr 2024 erneut ein Minus von 6,5 %. Damit hat sich der negative Trend bereits im dritten Jahr in Folge fortgesetzt – insgesamt beträgt der Produktionsrückgang seit 2021 rund 25 %. Angesichts dieser alarmierenden Entwicklung fordert der Bundesverband Baustoffe – Steine und Erden (bbs), der rund 25 Branchenverbände mit 4.000 Unternehmen vertritt, ein Sofortprogramm von der neuen Bundesregierung, um den anhaltenden Kapazitätsabbau zu stoppen.

"Seit drei Jahren warnen wir vor Werksschließungen. Die schleichende Deindustrialisierung ist längst keine bloße Befürchtung mehr – sie wird Tag für Tag Realität", sagt Dr. Matthias Frederichs, Hauptgeschäftsführer des bbs. Besonders hart trifft es weiterhin jene Baustoffhersteller, die stark vom Wohnungsbau abhängig sind. So sank die Dach- und Mauerziegelproduktion laut Statistischem Bundesamt allein im Jahr 2024 um 12 % und liegt im Vergleich zu 2021 um mehr als 45 % niedriger. Auch andere Mauerwerkserzeugnisse wie Kalksandstein und Porenbeton mussten Produktionsrückgänge von bis zu 50 % hinnehmen. Der Negativtrend setzt sich auch in anderen Bereichen der Bauwirtschaft fort: Die Produktion von Transportbeton fiel 2024 um 12 % (-29 % seit 2021), bei keramischen Fliesen beträgt der Rückgang 7 % (-44 % seit 2021). Von den 12 statistisch erfassten Teilbranchen des bbs verzeichnen nur drei einen Produktionsrückgang von weniger als 20 % seit 2021.

Bedarf an Baustoffen bleibt hoch – doch Rahmenbedingungen bremsen Nachfrage

„Für die Unternehmen ist diese Situation frustrierend“, betont Frederichs. „Der Bedarf an mineralischen Baustoffen für bezahlbaren Wohnraum, energieeffiziente Gebäude und eine moderne Infrastruktur ist groß – doch die politischen Rahmenbedingungen verhindern, dass diese Nachfrage aktiviert wird.“ Im Hochbau sorge neben der weiterhin hohen Kostenbelastung vor allem die Unsicherheit durch ein unzu-reichendes Förderregime und zu hohe Bauauflagen für Zurückhaltung bei Bauherren. Im Tiefbau verursache die vorläufige Haushaltsführung des Bundes für Nachfragezurückhaltung und zusätzliche Verzögerungen bei wichtigen Infrastrukturprojekten.

Von der künftigen Bundesregierung fordert Frederichs verlässlichere Rahmenbedingungen. Förderprogramme müssen kontinuierlich zu denselben Fördersätzen laufen, ebenso darf es auf absehbare Zeit zu keinen weiteren Kostensteigerungen durch verschärftes Baurecht kommen. Darüber hinaus muss die Baukonjunktur so schnell wie möglich, idealerweise durch ein Sofortprogramm, wieder anlaufen. Der Wohnungsbau könnte in dessen Rahmen durch einen zeitlich befristeten Abschreibungs-Sonderbonus von 3 % „wiederbelebt“ werden. Für die sanierungsbedürftige Infrastruktur braucht es unmittelbar eine langfristige Investitionsoffensive mit gesicherter mehrjähriger Finanzierung. Damit der Gebäudesektor seinen Beitrag zum Erreichen der Klimaziele leistet, sollten zudem die Fördersätze für Maßnahmen an der Gebäu-dehülle angehoben werden. Daneben ist die Baustoffindustrie von immer weiter steigenden bürokrati-schen Auflagen und zu hohen Energiekosten betroffen. Hier braucht es dringend spürbare Entlastungen, um wieder wettbewerbsfähig zu werden.

Im vierten Quartal 2024 verzeichnete die Baustoffproduktion erstmals seit zweieinhalb Jahren wieder einen leichten Zuwachs von vier Prozent. Von Entwarnung zu sprechen, wäre aber angesichts der zu volatilen Rahmenbedingungen deutlich zu früh. Während die Auftragseingänge im Hochbau nach langer Talfahrt eine Seitwärtsbewegung auf niedrigem Niveau andeuten, bleibt die Entwicklung im Tiefbau unsicher – insbesondere, wenn sich die neue Bundesregierung nicht rasch auf einen Bundeshaushalt mit einem deutlichen Schwerpunkt auf Investitionen einigen kann. "Unter den aktuellen Bedingungen rechnen wir für 2025 mit einer Produktion auf Vorjahresniveau – bestenfalls", so Frederichs abschließend.

Als Praxispartner beteiligte sich der bbs am Projekt „Ganzheitliches Biodiversitätsmanagement in der Baustoffindustrie (GiBBS)”, um gemeinsam mit dem Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW), dem Institut für Landschaftsökologie der Universität Münster, dem Leibniz-Institut zur Analyse des Biodiversitätswandels (LIB), dem NABU e.V. sowie dem MIRO - Bundesverband Mineralische Rohstoffe e.V. und dem Bundesverband der Gipsindustrie e. V. ein Konzept für den Artenschutz in kleinen, mittleren und großen Rohstoffunternehmen zu entwickeln.

Weitere Unternehmen sowie Naturschutzbehörden und Umweltverbände brachten sich in Dialogveranstaltungen. Die Ergebnisse des Projektes, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wurde, flossen in ein Handbuch ein, das nun veröffentlicht wurde.Das Handbuch verbindet die naturschutzfachliche und betriebswirtschaftliche Perspektive, um Biodiversität effektiv auf allen Unternehmensebenen zu verankern. Dazu vermittelt es, wie Unternehmen Biodiversitätsziele entwickeln und den Prozess wirksam steuern können. Es stellt zudem wichtige Artenschutzmaßnahmen vor, die teilweise schon mit geringem Aufwand umsetzbar sind. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem systematischen Monitoring der Arten: Das Handbuch zeigt in sieben Schritten, wie Unternehmen einen guten Überblick über relevante Arten an ihren Standorten erhalten.

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